13.-14. August
Nach einem irre heissen Tag in Plitvice waren wir nicht schlecht erstaunt, beim Aufwachen im nahegelegenen Jecerze in eine fette Nebelwand zu blicken, die sich alsbald in Nieselregen verwandelte. Zuerst geht’s also zum Fruehstueck – auch hier erfreuat uns wieder der jugoslawische Charme der 80-er, und auch das Fruehstueck selbst hat sich seitdem nicht sehr veraendert:)
Nachdem wir aber ein 2 Tagesticket haben, wollen wir dem Wirtn nix schenken und machen uns daher unverdrossen auf den Weg zum beruehmten Wasserfall. Dh O kommt nicht mit u bleibt im trockenen Auto bei einm call – manchmal so scheint es hat auch Arbeit kleine Vorteile. Ich also los mit den Boys, und wir schreiten an einigen Japanern im Anzug forsch zum grossen Wasserfall, der wieder tausendmal besser als Niagara ist. Dann geht die Tour weiter zu einer Hoehle, wo Max sogar “ mit dem Fingernagel eine tote Fledermaus beruehrt” hat. Und er lebt noch!
Dann geht’s aber endgueltig los Richtugn Sarajevo, eine Autofahrt, die laut Meister google 5, in Wahrheit aber fast 8 Stunden dauert, no Autobahn und Stau sei Dank. Zu Mittag stoppen wir in einem unaussprechlichen Mtrvce-artigen Ort, wo wir panisch Essbares suchen, weil die 2 Grossen schon auf Sparflamme laufen. Das einzige Esslokal ist ein fast food Doener- maessiger Laden, wo sich allerdings ein kleines Verstaendigungsproblem breitmacht.


Die Karte ist auf kyrillisch, u der Wirtn spricht auch keine uns bekannte Sprache. Max kann mit seinen Russisch-Kenntnissen auftrumpfen und entziffert, dass es Pommes Frites gibt – wir sind gerettet. Auch cevapci koennen wir erklaeren, und alsbald stehen 3 Riesenportionen dieses gesunden Essens vor uns. Johannes ist total im Glueck. Er erklaert “this hit exactly the right spot” und fuegt auch spaeter ncoh einmal hinzu “also auf einer Skala von 0 bis 10 war das mindestens eine fette 8”. Alles gut also.
Nach weiteren etlichen Stunden Autofahrt schaffen wir es doch noch bis am Abend nach Sarajevo. Unser Hotel ist klein, aber mitten im Zentrum, und uns sofort sympathoisch. Die nette Rezeptionistin empfiehlt gelich ein sehr gutes Lokal in der Altstadt, und wir schlendern durch unerwartet exotische kleine Strassen mit vielen bazaar- aehnlichen Geschaeften, und Johannes erspaeht gleich eine fake gucci Bauchtasche, die er saucool findet. Auch sehr guenstiges Gepaeck von Louis Vuitton gibt es hier, erstaunlciherweise wesentlich billiger als in Wien:)
Gegessen wird also koestliches Borek oder Burek oder wie auch immer, Max isst etwas das aussieht wie eine fette Stelze und Oliver haut sich gleich die Balkan Grillplatte rein. Und alle sind suuper happy, O-Ton Johannes “ die Heimatkost hier ist eeeecht gut”. Ausserdem sehr gnaedig zum Boerserl, wenn man zwei hungrige Teenager dabeihat: die Cevapci Orgie zu Mittag kostete 13 Euro, und das Abendessen 40.
Heute frueh wurden alle aus den Ferdern gehaut, weil wir bereits um 9 Uhr die Sarajevo funky tour gebucht hatten. Was sich wie eine Zirkustour durch die Stadt anhoert, ist allerdings genau das Gegenteil davon: Es geht um die Balkankriege und insbesondere um die 44 Monate dauernde Belagerung von Sarajewo, von 1993-1995. Unser Fuehrer Almir ist heute 44 Jahre alt und als 16-jaehriger in die bosnische Armee eingetreten. er war waehrend der gesamten Belagerung in Sarajewo, sein Bruder sratb waehrend des Krieges. Er ist also genau der Richtige, um uns diese Zeit und die politische und menschliche Lage zu erklaeren. Auffallend ist, dass er stets betont, wie problemlos das Zusammenleben von Orthodoxen, Christen und Serben vor dem Krieg war, dass sein bester Freund Serbe ist und mit ihm in der bosnischen Armee gekaempft hat. Er vermeidet daher auch die Pauschalierung “die Serben” sondern nennt sie “the Karadcic Serbs”. Er erzaehlt, dass er ihn oft auf dem Balkon des Hotels mitten in Sarajevo gesehen hat, wo er sein Buero hatte, weil seine Sschule direkt daneben war. Der Krieg ist fuer ihn eine schreckliche Zeit, und man beginnt zu begreifen, wie traumatisch diese Erlebnisse fuer Junge sein muessen. Die Jugend von heute, die nach dem Krieg geborene, ist naemlich auch unwillentlich von den Eltern indoktriniert – schon beid er Schulentscheidung geht es in eine gewissen ideologische Richtung, da man sich bei den 3 offoziellen Sprachen in Bosnien für eine Schule entscheiden muss, denn in keiner werden alle 3 Sprachen unterrichtet. Auf meine Frage, ob man bei einem Teffen mit Freunden je über den Krieg spräche, verneint er — niemand rede über den Krieg. Sie wollen vergeben, aber nciht vergessen, und jeder hätte eben eine andere Meinung dazu, warum also alte Wunden aufreissen und wieder streiten. Auch in der Schule würde man nichts über den Krieg lernen — zu frisch und unüberwunden sind wohl die Probleme.
Viel zu fragen und zu verstehen also, und die 4 Stunden vergehen wie im Flug. Wir fahren zu dem heute „tunnel of hope“ genannten Tunnel, der während der Belagerung zwei Stadtteile Sarajevos miteinander verband. Dort kann man noch ein kleines Stück des Tunnels entlanggehen und mrkt, wie schmal und niedrig er ist. Unvorstsellbar, dass bis zu 400 Menschen am Tag ihn in die eine oder andere Richtung benutzten. Ebenfalls ausgestellt ist der Inhalt der UNO Hilfslieferungen, Almir erzaehlt von den Keksen, die er geliebt hätte, aber von dem corned beef, das widerlich gewesen sei. Und zwar so schlimm, dass er es einmal über die feindliche Linie zu den Serben rübergeschmissen hätte, aber die hätten es postwendend zurückbefördert…
Im dem waiting room vor dem Eingang um Tunnel sei auch er oft gewesen, ganz schlimm als schwer Verwundeter, wo er darauf wartete, zum Verarzten auf die andere Seite zu kommen. Er hätte mit einer UNO Maschine ausgeflogen werden sollen, aber kam dann irgendwie doch nicht mit. Es ist eine grosse, vertsändclihe Enttäuschung über die Untätigkeit der internationalen Organisation zu spüren, so einen Krieg mitten in Europa zugelassen hat.
Noch schlimmer aber sei Srebrenica — er fahre immer wieder hin, weil er dort einen gutn Freund habe, der asl 12 jähriger dem Massaker entkommen sei. almir verwendet ganz bewusst das Wort „genocide“ und erlärt, dass, obwohl er in Sarajevo viel erlebt hätte, es immer noch dei Gedenkstätte dort ist, die ihm die Tränen in die Augen treibt.
Ein weiterer Programmpunkt ist die Stätte der Olympischen Spiele von 1984, die heute verfallen , aber Ein willkommener Spot für coole Graffitis ist. wir fotographieren einander also touritsen maessig in allen möglichen Posen. Dann geht es weiter zu einem verfallenen, ausgebpombten Haus. Almir erklärt, dass hier vor de Krieg eiens der feintsen und beliebtesten Restaurants Sarajevos war, …………..
in dem restaurant positionierten sich jedenfalls im krieg scharfschuetzen, die aus sarajevo schossen. Überhaupt wird es einem bei einem Blick um Sarajevo schnell klar, wie man solch eine Stadt leicht einkesseln kann, da sie nämlich rundum von grünen, wenig bebauten Hügeln umgeben ist. Aber nicht nur die Snipers wären hier oben gewesen, sie hätten auch Mädchen hierher verschleppt. Und auch an andere Orte. Und zum etstwn Mal scheint Almir die Stimme zu versagen. Die Schwester eines Freundes hätten sie festgehalten, erzählt er. Sie wurde schwanger und hat heute einen Sohn, der 21 ist. Schwierig, sehr schwierig. Irgendwann wollten diese Kinder wissen, wer ihre Väter seien, und was könnte man da schon sagen…
Die Tour lässt uns alle nachdenklich zurück, es gibt viel zu Verarbeiten. Almir jedenfalls liebt sein Land natuerlich, und bittet uns „spread the word“! Bosnien braucht dringend Geld aus dem Tourismus, die Wirtschaft geht schlecht, Arbeitslosenraten sind hoch. Es gibt keine Jobs, und die Jungen wollen nur weg. Almir erhofft sich von einem Beitritt zur EU Wunder: Geschäftsmänner würden investieren und die Wirtschaft ankurbeln, und auch vor einem weiteren Krieg wäre man geschützt. „Denn in Bosnien gibt es alle 40 Jahre Krieg“.
Einen Schauplatz zum ersten Weltkrieg sehen wir auch noch : die Lateiner Brücke, an der am 28. Juni 1914 Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau erschossen wurden. Interessanterweise hiess die Brücke bis 1995 Gavrilo Princip Brücke, da dieser von den Serben als Held verehrt wurde/wird. Obwohl er, wie Almir bestätigt, “a terrorist” war.
Den Nachmittag lassen wir uns dann durch Sarajevo treiben. Wir geniessen die bazaar-artigen Strassen der Altstadt u shoppen ein bissi, va Johannes ist total von den günstigen Luxusprodukten angetan:) Eine pinkfarbene Ray Ban und ein Gucci Geldbörsel werden uns ab sofort begleiten.
