15.8. Sarajevo nach Dubrovnik

Wir brechen heute früh aus Sarajevo auf, und noch immer muss ich an die Gespräche mit Almir denken. Vor allem an das Symbol der Rosen von Sarajewo: an jedem Ort, an dem mehr als drei Menschen gestorben sind, wurde eine grosse rote Rose auf den Boden gemalt, um ihrer zu gedenken. und trotzdem geht das Leben weiter, wie er meinte, denn auch im Krieg gab es Alltag, alle müssten weiterleben.

Wir machen uns also auf nach Mostar, der berühmten alten Stadt in der Herzegowina, in der es eine Moschee, eine orthodoxe und eine christliche Kirche gibt. Auf den gut 2,5 Stunden dorthin per Landstrasse gibt es wieder einmal viel GEGEND, zuerst noch sehr hügelig mit vielen Bäumen, dann erinnert mich die Landschaft zunehmend an Nordspanien. Es geht bergauf und bergab, durch viele Tunnels und Berge. Wir erreichen Mostar zu Mittag, und sind natürlich nicht die Einzigen. Auch hier feiert der Tourismus fröhliche Urständ´.

Trotzdem ist die Altstadt wunderschön, und auch ein schnelles Kebab findet sich für die stets hungrigen Teenager. Wir betreten mit etwa 20.000 anderen die berühmte Brücke von Mostar und erleben, wie sich einer aus der Springergilde die 21 Meter hohe Brücke in die Fluten der Neretva stürzt. Sicher eine coole Aktion, um den Mädels zu imponieren! Wir wandern also von der Westseite, in der traditionell die Kroaten zu Hause sind, hinüber auf die Ostseite, die von Bosniern bevölkert ist. Auch hier hat der Krieg seine Spuren hinterlassen, und diesmal waren, sofern man das sagen kann, die Kroaten die „Bösen“. Im Zuge des Krieges kämpften die Armeen auf beiden Seiten der Brücke, aber es waren die Kroaten, die diese schliesslich 427 Jahre nach ihrer Erbauung sprengten. Damit war nicht nur die Brücke, sondern auch ein Symbol der Verbindung zwischen Ost und West geborsten. Und auch wenn die Brücke wieder aufgebaut und 2005 eröffnet wurde, so hapert es mit dem friedlichen Zusammenleben immer noch. Denn die Stadt, so klein sie auch ist, bleibt zweigeteilt. Es gibt zwei Verwaltungssysteme, und vor allem zwei Schulen, wo Bosnier und Kroaten getrennt unterrichtet werden. Noch in Sarajevo hat mir Almir erzählt, dass die zwei Schulen zwar in demselben Gebäude untergebracht, aber durch einen Zaun voneinander getrennt seien.

Wir sehen uns einen kurzen Film über die Zerstörung der Brücke an, es ist wirklich kaum vorstellbar, dass vor 20 Jahren auf der Brücke geschossen wurde und Soldaten geduckt auf— und abrannten. Zum Aufbau versuchte man übrigens zuerst die alten Steine aus dem Fluss zu fischen, diese waren aber so beschädigt, dass man neue aus dem Steinbruch der Umgebung schlug. Der Mörtel aber und die Werkzeuge wurden denen aus dem 15. Jahrhundert nachgebildet.

Aber zurück ins Auto und los nach Dubrovnik. Wieder viel GEGEND, und noch mehr davon, da uns Mr. google etwas in die Irre leitet. Ich will zwar den Schildern nach Dubrovnik nachfahren, O will aber Google vor Recht ergehen lassen, bis wir schliesslich in einer Schotterstrasse mitten in der Herzegowina enden. Die GEGEND hier sieht teils schon fast griechisch aus, und ist kaum besiedelt. Überhaupt — in Bosnien sind uns die vielen Häuser aufgefallen, die zwar noch nicht fertig verputzt, aber bereits bewohnt sind. Hier zieht man eben ein, sobald man kann, und baut weiter, wenn es die Finanzen erlauben. Ein anderes Konzept von Wohnen!

Schliesslich landen wir aber doch am Nachmittag in Dubrovnik und bringen unsere Siebensachen in das airbnb. Es ist fast noch alles vorhanden. O hat nur 2 mal die Kreditkarte sperren und wieder entsperren lassen weil er nicht wusste wo sie ist, und Max hat im Zimmer seine Regenjacke verloren. Also alles im grünen Bereich.

Dubrovnik ist wunderschön, und nicht einmal die Horden an Touristen können es einem vermiesen. Wir machen einen Spaziergang auf der alten Stadtmauer, die herrliche Blicke und Selfie—Möglichkeiten bietet. Johannes findet die vibes hier gut, und der Blick über die alte Stadt aufs Meer ist kaum zu übertreffen. Die Altstadt ist durch eine prächtige römische Strasse geteilt, mit Jesuitenkloster und Moschee auf je einer Seite. Auch Dubrovnik wurde im Krieg beschossen, aber man hat den Eindruck, dass es sich wieder zu einem harmonischeren Ganzen gefügt hat. naja, angeblich reisen die meisten Einwohner über den Sommer ab und vermieten ihre Wohnungen, vielleicht ist es auch deshalb so friedlich… Die Serie Game of Thrones hat Dubrovnik noch bekannter gemacht, und an jeder Ecke steht Tyrion Lannister, der einem T—shirts verkaufen will. Die Preise sind nach dem Dumping in Bosnien wieder auf dem üblichen Niveau. Wir nehmen einen herrlichen Aperitif in einer Felsenbar mit Blick aufs Meer, die Amerikaner vor uns checken noch schnell, ob die auch genügend Punkte in der Tripadvisor review hat… Ich habe in weiser Voraussicht einen Tisch in einem Fischlokal vorreserviert, damit wir mal von der fetten bosnischen Fleischkost loskommen. Ausser Johannes sind alle heilfroh, aber er findet auch noch ein Steak auf der Speisekarte.

Ich schreibe noch schnell die letzten Zeilen auf unserer kleinen Terrasse mit Blick aufs Meer, der italienische Sänger unten in der Stadt ist soeben mit seiner amore amore performance fertig geworden, und Ruhe kehrt ein, der Vollmond macht das Wasser silbern…

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